SeeleFon 0228 710 024 24: Ist das wirklich das Richtige für Angehörige?

Wenn ein Mensch, den man liebt, an einer Depression erkrankt, gerät das eigene Leben oft aus den Fugen. Man beobachtet die Antriebslosigkeit, die Rückzugstendenzen oder vielleicht sogar die Verzweiflung des Partners, der Eltern oder der Kinder. Die Frage, die mir in meiner elfjährigen Laufbahn als Gesundheitsredakteurin am häufigsten gestellt wird, ist nicht: „Wie werde ich wieder gesund?“, sondern: „Was kann ich tun, ohne selbst daran zu zerbrechen?“

Hier kommt das SeeleFon (0228 710 024 24) ins Spiel. Um es kurz zu machen: Ja, es ist exakt für Sie gedacht. Es wird vom Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen (BApK) betrieben. Es ist kein Krisendienst für Betroffene in unmittelbarer Suizidgefahr (dafür ist die 112 oder die Telefonseelsorge zuständig), sondern eine spezialisierte Anlaufstelle für Menschen, die mit Angehörigen leben oder arbeiten, die psychisch erkrankt sind.

Warum Sie als Angehörige Beratung brauchen

Viele Angehörige unterliegen einem gefährlichen Trugschluss: „Wenn ich nur genug zuhöre und ihn/sie zum Lachen bringe, wird alles wieder gut.“ Lassen Sie uns ehrlich sein: Das ist Wunschdenken und führt in der Regel direkt in die eigene Überforderung. Eine Depression ist eine ernsthafte Erkrankung des Gehirnstoffwechsels, keine schlechte Laune, die man „wegreden“ kann.

Die Beratung für Angehörige bei Depressionen über das SeeleFon hilft Ihnen dabei, Distanz zu wahren, ohne die emotionale Bindung zu verlieren. Sie lernen, Grenzen zu setzen. Denn: Ein Angehöriger, der selbst ausbrennt, kann niemandem helfen.

Erste Hilfe: Symptome einordnen und erkennen

Bevor Sie handeln, müssen Sie wissen, womit Sie es zu tun haben. Die Schwere einer Depression wird medizinisch in drei Kategorien unterteilt. Hier ist eine Übersicht, um Ihnen ein Gefühl für die Situation zu geben:

Schweregrad Typische Symptome Handlungsbedarf Leichte Depression Antriebsminderung, gedrückte Stimmung, Konzentrationsstörungen; der Alltag ist noch bewältigbar. Psychotherapeutische Unterstützung, DiGA (Apps), Sport. Mittelschwere Depression Sozialer Rückzug, massive Schlafstörungen, der Alltag wird zur Qual, kaum noch Freude möglich. Dringend psychotherapeutische Behandlung, oft Kombination mit Medikamenten. Schwere Depression Völlige Lähmung, Suizidgedanken, körperliche Symptome (Gewichtsverlust, körperlicher Schmerz), keine Selbstversorgung mehr möglich. Akute Notfallbehandlung (Klinik), Psychiatrische Intervention.

Um eine erste Einschätzung zu bekommen, empfehle ich Ihnen fahrtkosten zur reha klinik erstattung und Ihrem Angehörigen den Selbsttest der Deutschen Depressionshilfe. Er ist wissenschaftlich fundiert und bietet einen guten Anhaltspunkt für das erste Gespräch beim Hausarzt oder schwere depression verlauf und heilung Therapeuten. Aber Achtung: Ein Onlinetest ersetzt niemals die Diagnose durch einen Facharzt!

Behandlungswege: Mehr als nur „reden“

Wenn die Diagnose steht, hören Angehörige oft: „Er/Sie macht jetzt eine Therapie.“ Das ist gut, aber bei mittelschweren bis schweren Depressionen reicht reine Psychotherapie oft nicht aus.

Die Standard-Kombination: Therapie plus Medikamente

In Deutschland ist der Goldstandard bei mittelschweren bis schweren Verläufen die Kombination aus Psychotherapie (z. B. Verhaltenstherapie) und Antidepressiva. Medikamente sind kein „Glücklichmacher“, sondern Krücken. Sie hellen die Stimmung nicht auf, sondern wirken antriebssteigernd oder beruhigend, damit der Patient überhaupt erst in der Lage ist, an der Psychotherapie teilzunehmen.

Was tun bei therapieresistenter Depression?

Wenn über einen Zeitraum von etwa sechs Monaten zwei verschiedene Antidepressiva in ausreichender Dosierung keine Besserung gebracht haben, sprechen Mediziner von einer therapieresistenten Depression. In diesem Fall gibt es spezialisierte Verfahren, die über die Standardbehandlung hinausgehen:

  • rTMS (repetitive transkranielle Magnetstimulation): Ein schmerzfreies Verfahren, bei dem magnetische Impulse bestimmte Hirnareale stimulieren.
  • EKT (Elektrokonvulsionstherapie): Ein hochwirksames Verfahren unter Kurznarkose, das vor allem bei schwersten Verläufen (oft stationär) eingesetzt wird.
  • Esketamin-Nasenspray: Eine moderne Behandlungsoption für Patienten, die auf herkömmliche Mittel nicht ansprechen.

Digitale Unterstützung: DiGA (Apps auf Rezept)

Ein wichtiger Baustein, den viele Angehörige übersehen, sind die sogenannten DiGA (Digitale Gesundheitsanwendungen). Das sind „Apps auf Rezept“. Ihr Angehöriger kann sich von einem Arzt eine App verschreiben lassen, die die Krankenkasse bezahlt. Diese Programme führen durch strukturierte Übungen und sind eine hervorragende Ergänzung zur Therapie, besonders um Wartezeiten auf einen Therapieplatz zu überbrücken.

Checkliste: Was Sie als Angehörige jetzt tun können

Die Überforderung von Angehörigen ist kein Anzeichen von Schwäche, sondern die logische Folge einer extremen Belastungssituation. Gehen Sie diese Liste Schritt für Schritt durch:

  • SeeleFon anrufen: Rufen Sie die 0228 710 024 24 an. Sagen Sie: „Ich bin Angehörige(r) und fühle mich überfordert.“ Die Berater hören zu und geben Ihnen eine Struktur.
  • Dokumentieren: Führen Sie (für sich, nicht zur Kontrolle!) ein kurzes Tagebuch über die Stimmung des Angehörigen. Das ist wertvoll für Arztgespräche.
  • Notfallplan erstellen: Wo ist das nächste psychiatrische Krankenhaus? Speichern Sie die Nummer des örtlichen Krisendienstes in Ihrem Handy.
  • Eigene Therapie/Beratung suchen: Wenn Sie das Gefühl haben, Sie verlieren sich selbst, suchen Sie sich eigene Unterstützung. Angehörigengruppen (auch online) sind Gold wert.
  • Sprechen Sie über Fakten, nicht über Gefühle: Vermeiden Sie Sätze wie „Reiß dich zusammen“. Sagen Sie stattdessen: „Ich sehe, wie schwer es dir gerade fällt aufzustehen. Was kann ich tun, damit es heute ein kleines bisschen leichter wird?“

Ein Wort zur Warnung: Akute Krise

Wenn Sie bei Ihrem Angehörigen akute Suizidgedanken feststellen oder er/sie klare Absichten äußert, ist das kein Fall mehr für das SeeleFon. Handeln Sie sofort:

  • Rufen Sie den Notruf 112.
  • Fahren Sie in die nächste psychiatrische Klinik (Notaufnahme).
  • Lassen Sie den Angehörigen nicht allein.

Psychische Erkrankungen sind kein Tabu, aber sie sind eine enorme Kraftanstrengung für das gesamte Umfeld. Nutzen Sie die professionellen Ressourcen wie das SeeleFon, um sich aus der Isolation zu befreien. Sie müssen das nicht alleine tragen.

Haben Sie eigene Erfahrungen mit der Beratung am SeeleFon gemacht oder gibt es Fragen zu bestimmten Behandlungsmethoden? Schreiben Sie mir gerne in die Kommentare – ich antworte persönlich.

Public Last updated: 2026-07-01 07:36:38 PM